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Nov 27
2009

Erster Twittwoch in Sachsen

Erstellt von Mandy Butschke in

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Seit dem vorgestrigen Abend ist die sächsische Web2.0-Gemeinde um ein Event reicher: Unter dem Motto "Microblogging – Sinnloser Hype oder 'the next big thing'" fand der erste sächsische Twittoch in Chemnitz statt. Hier eine kurze Zusammenfassung der äußerst spannenden und interessanten Vorträge:

1. "Kampagne 15 Jahre IKEA Chemnitz" von Frank Müller (Agentur Haus E)

Frank Müller von der Agentur Haus E stellte die in Chemnitz weit bekannte Kampagne Ikea 15 vor und erläuterte die verschiedenen Maßnahmen, die im Rahmen der Kampagne durchgeführt wurden (z.B. extra für diesen Zweck erstellte Website www.ikea15.de, Foto-Promotion, Online-Werbung, verschiedene Events für IKEA-Besucher etc.). Im Rahmen der Kampagne wurden auch MySpace und Twitter als Distributionskanäle für die täglichen Sonderangebote von Ikea eingesetzt, wobei hier offenbar weniger Erfolg als mit den anderen Maßnahmen verbucht werden konnte. Das lag vor allem daran, dass die jeweiligen Profile eher weniger gepflegt wurden. Bspw. wurde bei Twitter jeden Tag nur das Angebot des Tages kommuniziert, was möglicher Weise für Schnäppchenjäger sehr interessant war. Da es im Großraum Chemnitz aber sehr wenige Twitternutzer gibt, ist diese Botschaft wahrscheinlich nur bei sehr wenigen Menschen angekommen. Ferner schloss man sich auch nur rund 15 Leuten als Followern an und das Profil selbst verfügte nach 15 Wochen auch nur über 58 Follower, von denen die meisten eher an den Schnäppchen interessiert waren, die Aktion aber nicht weiter im Netz verbreiteten. Auch bei MySpace wurden im großen und ganzen nur die aktuellen Tagesangebote kommuniziert und weniger "persönliche" Kommunikation betrieben. Das alles hat der Kampagne Ikea15 jedoch nicht geschadet, denn mittels der anderen Werbemaßnahmen konnten laut eigener Aussage große Erfolge erzielt werden. Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem darum, wie man Twitter und MySpace hätte besser einsetzen können.

2. "Enterprise Microblogging. Einsatzmöglichkeiten und Erfahrungen" von Jens Osthues (communardo)

Während im ersten Vortrag Microblogging als Werbemittel im Vordergrund stand, beschäftigte sich der Vortrag von Jens Osthues um das Potential von Microblogging in der Unternehmenskommunikation. Die Firma communardo in Dresden hat im vergangenen Jahr eine eigene Microblogging-Software namens CommuNote entwickelt und setzt diese im Rahmen der unternehmensinternen Projektkoordination ein. Jeder Mitarbeiter kann (muss aber nicht) den Dienst nutzen, um projektbezogene Mitteilungen zu bloggen. Dabei kann vorher eingestellt werden, wer aus dem Unternehmen diesen Microblog lesen darf. Das heißt, dass System ist mit einem Rechtemanagement ausgestattet. Für jedes einzelne Projekt gibt es einen eigenen Blog. Die Blog-Beiträge werden zentral gespeichert und sind immer wieder abrufbar. Das hat den Vorteil, dass jeder, der berechtigt ist, stets Zugriff auf die Einträge hat (also anders als bei E-Mails, die irgendwann im Postfach des Einzelnen versacken und wenn derjenige evtl. mal im Unternehmen aufhört, sind wertvolle Informationen verloren). Das ganze funktioniert ähnlich wie Twitter, allerdings gibt es hier bspw. auch eine Tag-Cloud und eben das Rechtemanagement. Communardo ist momentan dabei, das System weiter auszubauen, es wird allerdings bereits von mehreren Unternehmen genutzt. Alle Informationen zum System (inkl. Demo-Zugang) gibt es hier: http://www.communote.com/homepage/ Das System kann im Übrigen für 1 Euro pro Monat gemietet werden oder aber per Lizenz erworben werden, wobei die Anwendung mit max. 10 Nutzern kostenfrei ist. Außerdem kann das System 3 Monate kostenfrei getestet werden. Die anschließende Diskussion drehte sich zu einem Großteil um die technischen Gegebenheiten der Software, aber auch darum, wie man seinen Mitarbeitern klar macht, dass sie ab sofort das System und keine anderen Mittel wie z.B. E-Mail verwenden sollen. Außerdem kam Lutz Gerlach (TUC) zu Wort, der das System momemtan probeweise einsetzt. Er hat einen kleinen Erfahrungsbericht gebracht und auch einige Defizite des Systems aufgezeigt. So kam bspw. die Frage auf, wie man in dem System mittels Tagging eine übersichtliche Struktur schaffen kann.

3. "Ubiquitious Microblogging" von Martin Böhringer (Technische Universität Chemnitz)

Im letzten Vortrag stand das Forschungsprojekt "Ubiquitous Microblogging" der TUC im Mittelpunkt. "Ubiquitious Microblogging" heißt so viel wie "Alle nutzen Microblogging". Mit "alle" sind nicht nur Menschen sondern auch Gegenstände oder andere Lebewesen z.B. Grünpflanzen gemeint. Letztere twittern bspw., wenn sie Wasser brauchen. Das Forschungsprojekt erstreckt sich auf mehrere Gebiete. So wird u.a. momentan eine Art Marktforschungsstudie (EMS2010) betrieben. Dabei soll festgestellt werden, welche Microblogging Programme es zur Zeit gibt, für welche Zwecke diese eingesetzt werden können etc. Das Ziel ist, Unternehmen, die Microblogging einsetzen wollen, eine entsprechende Beratung anbieten zu können. Die Studie soll Anfang 2010 vorgestellt werden. Ein anderes Gebiet ist das Twittern innerhalb einer Produktionskette in einem Unternehmen. Als Szenario wurde ein Transportband gezeigt, auf dem verschiedene Artikel mit unterschiedlichen Zielen transportiert werden. An bestimmten Stellen des Transportbandes twittert der Artikel, wo er sich gerade befindet. So kann auf einfache Art und Weise festgestellt werden, ob ein Artikel an seinem Bestimmungsort (z.B. Regal xy) angekommen oder unterwegs abhanden gekommen ist. Allgemein beschäftigt sich das Projekt also damit, inwiefern Microblogging in welchen Bereichen sinnvoll eingesetzt werden kann und auch wie sich das Microblogging in Zukunft entwickeln wird. Die anschließende Diskussion warf vor allem philosophische Fragen auf, wie z.B. "Wie wird Microblogging unser Leben verändern, wenn es immer mehr nicht-menschliche Microblogger gibt?"

So weit, so kurz. Eine Zusammenfassung der Organisatoren gibt es unter http://ubimic.org. Im Übrigen ist ab sofort ein regelmäßiger Twittwoch im Raum Sachsen geplant. Der nächste findet im Januar in Dresden statt. Im Februar ist Leipzig dran und im März dann wieder Chemnitz.

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